Donnerstag, 3. April 2014

Neuss 0 Ein Sänger aus Jamaika wird zum Sprachlehrer

Der in Jamaika geborene und in Neuss lebende Sänger Kenneth Hill will Schülern Englisch beibringen. Und das für nur 1,19 Euro pro Stunde. Von Susanne Zolke
 
Englisch ist seine Muttersprache, aber dass er in Jamaika geboren wurde, hängt er nicht gern an die große Glocke. "Jeder, der Jamaika hört, denkt sofort an Bob Marley und Marihuana", sagt Kenneth Hill, "diese Vorurteile sind einfach drin." Er singt allerdings keinen Reggae, und auch Rasterlocken sucht man vergebens auf seinem Kopf. "Und ich habe noch nie in meinem Leben auch nur eine Zigarette geraucht", erklärt er.
Hill, der seinen Lebensunterhalt eigentlich als Gala-Sänger verdient, will sich beruflich ein zweites Standbein aufbauen, mit einem ungewöhnlichen Ansatz: Als Muttersprachler will er Neusser Schülern die englische Sprache nahe bringen, pro Stunde nimmt er dafür 1,19 Euro – nicht mehr, als ein Burger im Fast-Food-Restaurant kostet. "Bei meinem Kursangebot hat keiner die Ausrede, dass er die Stunden nicht bezahlen könnte", sagt Hill, der mit zwölf Jahren mit seinen Eltern nach Nottingham in Großbritannien gezogen ist. Wie alt er heute ist, will er nicht sagen.
Mit etwa 15 Euro im Monat sind seine Kurse sehr preiswert. "Ich spreche schon mein ganzes Leben lang diese Sprache. Ich will einfach mein Wissen weitergeben und etwas Sinnvolles machen. Bildung für wenig Geld bedeutet nicht, dass es schlechte Bildung ist."
Seine Sängerkarriere will er ebenfalls fortsetzen, ein neuer Sommerhit sei gerade in Planung. Gefragt ist Hill nach eigenen Angaben vor allem als Gala-Sänger, der auf Messen oder Festivals wie "Rhein in Flammen" oder dem Lichterfest in Dortmund auftritt. "Vor einem riesigen Publikum zu stehen und zu singen, ist der Wahnsinn, ,great thing'", sagt der Jamaikaner, der immer wieder vom Deutschen ins Englische wechselt. Allerdings sei die Musik-Branche eben ein sehr unsicheres Business, erklärt er. Dass er durch die Einnahmen seiner "Englisch-Offensive" keine großen Sprünge machen kann, ist ihm allerdings auch klar. "Es geht mir auch nicht ums Reich- werden. Ich will das vermitteln, was ich gut kann."

Hill will Kurse für verschiedene Altersstufen anbieten, sowohl Grundschüler als auch Studenten sollen die Sprache lernen. Den Fokus setzt er aber auf Geschäftsenglisch. "Alle großen Firmen handeln auf Englisch. Man braucht es, um beruflich erfolgreich zu sein", erklärt er. "Wer es kann, der merkt irgendwann: ,Yeah, ich könnte ja auch ohne Probleme in London oder New York arbeiten.'"
Hill hat sich hohe Ziele gesetzt: "Ich wünsche mir, dass meine Schüler im Ausland gefragt werden, woher sie kommen. Man soll nicht hören, dass sie normalerweise Deutsch sprechen." Seine eigenen Sprachkenntnisse hat sich der Neusser dagegen selbst beigebracht. Seine Muttersprache will er auf unterhaltsame Art vermitteln. "Ich bin es ja gewohnt, auf der Bühne zu stehen, ,stage is my second home'", sagt Hill. Die Bühne sei sein zweites Zuhause. Und lachend fügt er hinzu: "Vielleicht singe ich auch mal ein Lied zwischendurch, auf Englisch, ,of course'." Diesen Samstag um 17 Uhr bietet er seinen ersten Kurs an, ein Konferenzraum im Mirage-Hotel dient als Unterrichtsraum.
Quelle: NGZ

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