Donnerstag, 27. März 2014

Neuss 3 Der Kollege mit dem Näschen für Menschen

Unter den fünf Diensthunden der Polizei im Rheinkreis ist der sechs Jahre alte Schäferhund Fox eine echte Ausnahme. Er ist Schutzhund, Rauschgiftfahnder –und Experte im Aufspüren von Menschen. Von Christoph Kleinau
 
Eine junge Frau hat Unfallflucht begangen. Pech für sie: Am Tatort hat sie etwas verloren, was so eindeutig nach ihr riecht, dass ihre Flucht schon einige hundert Meter weiter endet. Denn Diensthund Fox hat sich an ihre Fersen geheftet, der Polizeihund mit dem feinen Näschen für Personen. Sein Urteil ist unbestechlich, Leugnen zwecklos.
Sechs Jahre ist der belgische Schäferhund und damit im besten Alter für den Job bei der Polizei. Seit er als Welpe in die Familie von Wolfgang Juntermanns kam, bildet er mit dem Polizeihauptkommissar ein echtes Team. Und auch wenn er in Rente gehen wird, bleibt er – vom Land mit einer Pension für Tierarzt- und Futterkosten belohnt – Familienmitglied bei Juntermanns. Ganz so schnell wird das aber nicht passieren, denn Fox ist Experte mit einer einmaligen Qualifikation: Er ist der einzige unter den fünf Hunden im Polizeidienst des Kreises Neuss, der als Personenspürhund ausgebildet wurde. Und der einzige, der drei Qualifikationen aufweist: als Schutzhund, Rauschgiftfahnder – und Suchhund für Vermisste oder Tatverdächtige.
Wolfgang Juntermanns ist am Unfallort eingetroffen. Die Kollegen der Verkehrspolizei haben aufgepasst und das Fundstück, das der flüchtigen Frau gehören könnte, nicht angefasst. Ein "Geruchsartikel", wie das im Polizeijargon heißt. "Riechen" befiehlt Juntermanns dem Rüden, "Suchen" folgt. Zwei Worte – und die Jagd geht los. Ab jetzt hat Fox nur noch diesen Auftrag im Kopf.
Eineinhalb Jahre dauert die Ausbildung zum Schutzhund, zehn Wochen die Weiterbildung zum Personenspürhund. Was folgt, ist dauerndes Training. Oft sind die Diensthunde dabei auf einem Hundesportplatz in Rosellen zu beobachten, manchmal übt Juntermanns auch einfach hinter dem Polizeigebäude an der Jülicher Landstraße. "Verbellen", zum Beispiel. Das komme bei den Kollegen gut an, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Was von ihm verlangt wird, weiß Fox genau. Dazu reicht es schon, dass er das Suchgeschirr trägt. Jetzt soll er einen Menschen aufstöbern. Das Brustgeschirr anzulegen, ist Teil eines Rituals, zu dem auch das Akklimatisieren gehört, wie es Juntermanns nennt. Hier mal schnuppern, da mal riechen – und das Beinchen heben. Dazu muss Zeit sein. Aber dann wird es ernst. Das merkt schließlich auch die junge Frau, die wie unbeteiligt auf einer Parkbank sitzt. Fox legt sich vor ihr auf den Boden – und Juntermanns weiß: Wir haben sie. Würde die Frau jetzt Fersengeld geben, gäbe es ein anderes Kommando, und Fox würde die Rolle wechseln und als Schutzhund die Flucht stoppen.
Fox kann eine Menge, alles aber kann er nicht. Verschüttete finden, etwa. Oder Leichen. Oder auch Spuren zu erschnuppern, die Tage alt sind oder über viele Kilometer verfolgt werden müssen. Wird das verlangt, müssen seine vierbeinigen Kollegen von der Diensthundschule in Stukenbrock ran, erklärt Anja Moritz, die zum Team der Hundeführer der Neusser Polizei gehört.
Fox ist dafür zu sehr Allrounder. 140 Mal war er allein 2013 als Rauschgiftsuchhund gefordert, 32 Mal suchte er Menschen. In Meerbusch gelang ihm sogar ein Doppelerfolg: Ein Einbrecher hatte sich auf einen Baum geflüchtet, sein Komplize in einen Graben gekauert. Aber so dunkel kann keine Nacht sein, dass Fox sie nicht findet.
Quelle: NGZ

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