25 Mitarbeiter sind in einer Schicht, fast eine reine Männerwelt – wenn nicht Julia Lauda und eine Kollegin da wären. Jahrelang arbeitete Lauda an den Gießöfen, in denen bei rund 730 Grad Primär- und Sekundäraluminium zu vier bis acht Meter langen Barren gegossen werden – zehn bis 20 Tonnen schwer. Druckplatten, Dosen und Hochleistungsfolien entstehen daraus.
Dick eingepackt ist die Allerheiligenerin, wenn sie vor den Öfen arbeitet: Unter dem so genannten "Silbermantel" mit Alu-Beschichtung trägt sie einen roten feuerfesten Arbeitsanzug, dazu gehören auch Pullover und lange Unterhose. Helm und Visier schützen den Kopf. Von Hitze vor den Öfen – die Abstrahltemperatur liege bei rund 50, 60 Grad – spricht Julia Lauda nicht. "Es ist schon sehr warm", sagt sie, aber nach kurzer Zeit könne man wieder in den hinteren Bereich. Und für schwere Lasten gebe es viele Hilfsmittel – Kräne und Gabelstapler etwa.
Seit einem Jahr hat Julia Lauda eine neue verantwortungsvolle Aufgabe: Sie ist Wartenführerin, überwacht in der zentralen Warte vor Bildschirmen die Gießprozesse, Kühltürme, Brandmeldeanlage und mehr.
Zunächst wollte Julia Lauda, die in Dormagen-Rheinfeld aufwuchs, Schreinerin werden. "Bei einer Jobmesse in der Gesamtschule sprach mich dann mein späterer Ausbilder bei Hydro an. Als ich sagte, dass ich mich für Technik interessiere, sagte er: ,Bei uns bist Du richtig'." Manche Freunde seien über ihre Wahl beeindruckt gewesen, aber auch verwundert. "Sie fragten sich, wo denn die kleine Julia hingeht. Ich war 16 Jahre alt, als ich die Ausbildung als Fertigungsmechanikerin begann."
Ihre Erfahrungen gibt die 27-Jährige bei Jobmessen oder in Schulen an Schülerinnen weiter. "Mädchen sollten ihren Blick öffnen, sich auch für technische Berufe interessieren", rät sie.
Auch in einer anderen Domäne, in der früher Jungs unter sich war, ist Julia Lauda zu Hause: Sie steht in der Damenmannschaft des SV Rosellen im Tor. "Wir sind in die Landesliga aufgestiegen, es war ein tolles Jahr." Und mit Begeisterung fährt sie Auto – ein Mercedes Coupé.
Am Girls'Day morgen – rund 15 Firmen machen mit (www.girls-day.de) – beteiligt sich Hydro Aluminium in diesem Jahr nicht. "Bei uns ist das ganze Jahr über Girls'Day", sagt Sprecher Michael Peter Steffen. "Wir kooperieren mit einer Grundschule in Grevenbroich, mit Hochschulen, sind bei Jobmessen, bieten Praktika. Der Frauenanteil in der Produktion ist noch niedrig, aber das Interesse steigt – es ist ein langfristiger Prozess", meint Steffen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen